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Beschäftigte besser schützen

Beschränkung von Diisocyanaten

Diisocyanate sind Chemikalien, die in der Europäischen Union (EU) in großen Mengen hergestellt werden und viele Verwendungen, wie beispielsweise bei der Autolackierung, der Matratzenherstellung oder in Bauschäumen, haben. Rund fünf Millionen Beschäftigte in der EU sind bei ihrer Arbeit gegenüber Diisocyanaten exponiert. Diisocyanate sind stark sensibilisierend, das heißt, sie verursachen zum Beispiel Asthma und Hauterkrankungen.

Datum 15. März 2017

Ein Bauarbeiter befestigt Dämmplatten an einer Fassade. © iStock/simazoran

Schon geringste Expositionen können eine Sensibilisierung der Haut oder Atemwege verursachen. Auch die Einhaltung von Arbeitsplatzgrenzwerten schützt nicht immer vor Neuerkrankungen. Das belegen Schätzungen, die EU-weit von 2.500 bis 10.000 Neuerkrankungen - zum Beispiel durch Asthma - ausgehen.

Beschränkungsverfahren soll Asthmaerkrankungen senken

Um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten in Bezug auf Diisocyanate zu verbessern, hat die BAuA für diese Stoffgruppe ein REACH-Beschränkungsverfahren nach Anhang XV initiiert. Dazu wurde im Oktober 2016 ein Vorschlag bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht. Ziel der Beschränkung ist es, die Zahl der jährlich neu auftretenden Fälle an berufsbedingtem Asthma deutlich zu senken. Die Beschränkung zielt nicht auf ein generelles Verbot der Chemikalien ab. Stattdessen sollen verbindliche und überprüfbare Anforderungen an Schutzmaßnahmen und Schulungen für den sicheren Umgang mit Diisocyanaten eingeführt werden.

Grundsätzlich soll es möglich sein, die Stoffe bei einem Gesamtgehalt unterhalb einer Konzentrationsgrenze von 0,1 Prozent weiterzuverwenden. Oberhalb dieser Konzentrationsgrenze muss anhand objektiver Kriterien demonstriert werden, dass von der Verwendung nur ein minimales Risiko ausgeht, wie beispielsweise durch eine sichere Gestaltung des Produktes. Alternativ müssen Schulungen
durchgeführt werden. Die Hersteller bieten solche Lehrgänge bereits seit einigen Jahren freiwillig für Diisocyanat-Verwender an. In der Beschränkung werden diese verpflichtend und ausgeweitet.

Gleichzeitig sollen die Anwender verpflichtet werden, bestimmte Vorgaben bei der Handhabung von Diisocyanaten einzuhalten und dies auch nachzuweisen. Eine Nichtteilnahme an den Schulungsprogrammen würde automatisch ein Verwendungsverbot bedeuten.

BAuA untersucht sozioökonomische Auswirkungen

Viele Institutionen haben sich an dem Beschränkungsdossier nach Anhang XV der REACH-Verordnung beteiligt. Die Erarbeitung erfolgt in Abstimmung mit Verbänden der Hersteller und Anwender sowie mit den Berufsgenossenschaften. Die toxikologische Betrachtung sowie die Beschreibung der Exposition von unbeteiligten Dritten, die sich in der Nähe eines Diisocyanat-Arbeitsplatzes aufhalten (sogenannte "Bystander"),wurden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstellt. Für den Aspekt der sozioökonomischen Auswirkungen der Beschränkung ist die BAuA verantwortlich und hat diese für die EU erstmals analysiert. Dazu wurden Kostensätze für die Bewertung von Gesundheitsrisiken benötigt. Die BAuA ermittelte im Zuge der Erstellung des Beschränkungsdossiers die medizinischen Behandlungskosten diisocyanatbedingter Lungen- und Hauterkrankungen. Dabei wurden auch indirekte Krankheitskosten, die zum Beispiel durch Produktivitätsausfall bei Arbeitsunfähigkeit entstehen, mit einbezogen. Analysiert wurden unter anderem Berufskrankheiten(BK)-Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung aus den Jahren 2004 bis 2013. Die BK-Daten sowie die Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherchewurden mit verschiedenen Ansätzen auf die 28 EU-Mitgliedstaatenübertragen. Diese Daten stellten für die BAuA im Rahmen der Analyseeine wichtige Grundlage bei der monetären Bewertung der Gesundheitsrisiken durch sensibilisierende Stoffe wie Diisocyanate dar.

Wie geht es nun weiter?

Ende November 2016 hatte die BAuA die Gelegenheit, das Dossier in den zuständigen Gremien der ECHA, dem RAC (Ausschuss für Risikobeurteilung) und SEAC (Ausschuss für sozio-ökonomische Analyse), vorzustellen. Der Beschränkungsansatz wurde von beiden Gremien wohlwollend aufgenommen. Zur weiteren Vorbereitung ihrer Entscheidung über den Beschränkungsvorschlag haben beide Gremien vertiefende Fragen an die BAuA als Dossier-Einreicher formuliert. Die BAuA hat die entsprechenden Antworten zeitnah bei der ECHA eingereicht. Bereits in den Sitzungen von RAC und SEAC im März 2017 wurde das Dossier für die weitere Bearbeitung akzeptiert.

Der Beschränkungsvorschlag wird aber auch noch in den folgenden Monaten in RAC und SEAC weiter diskutiert werden. Parallel dazu kann die Öffentlichkeit über sechs Monate Kommentare einbringen. Nach einem Zeitraum von zwölf Monaten geben beide Gremien im März 2018 zu dem Vorschlag eine abschließende Stellungnahme ab. Die ECHA übermittelt diese Stellungnahmen an die EU-Kommission, die in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten über die Zustimmung zu der Beschränkung entscheidet.