Zur Einschätzung von Vitalität, Leistungsfähigkeit und Arbeitsbewältigung älterer Arbeitnehmer
In der vorliegenden Pilotstudie wurden 28 Arbeitnehmer aus dem wissenschaftlichen und Verwaltungsbereich (14 weibliche und 14 männliche) hinsichtlich ihrer Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei kamen zwei unterschiedliche Methoden zur Anwendung, der Work ability index (WAI; Finnisches Institut für Arbeitsmedizin), der auf einer Selbstbeurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den Arbeitnehmer basiert und eine Testbatterie, die eine Vielzahl von Parametern beinhaltet, die physiologische, psychologische und soziale Funktionsbereiche abbilden. Erwartungsgemäß ergeben sich sowohl beim Work ability index als auch bei den Parametern der Testbatterie erhebliche interindividuelle Unterschiede. Die Testbatterie erwies sich als geeignet, die psychophysische Leistungsfähigkeit des Menschen relativ umfassend und reproduzierbar abzubilden sowie alterstypische Funktionsveränderungen zu erfassen. Wie die Ergebnisse zeigen, konnten trotz des relativ geringen Stichprobenumfangs für eine Vielzahl der gemessenen Indikatoren signifikante Korrelationen zum kalendarischen Alter nachgewiesen werden, überwiegend im Sinne einer Funktionsverminderung mit zunehmendem Alter. Wiederholungsuntersuchungen an 18 Personen nach einem Zeitraum von ca. 3 Jahren ergaben stabile und reliable Meßwerte. Der Funktionsmeßplatz führt zu Aussagen bezüglich der "Vitalität" und psychophysischen Leistungsfähigkeit. Es ist jedoch zu betonen, daß die Untersuchung eine andere Zielstellung verfolgt als eine ärztliche Allgemeinuntersuchung. Die Untersuchung mit dem Funktionsmeßplatz kann diese nicht ersetzen. Die Testbatterie erlaubt, das individuell sehr unterschiedliche "Vitalitätsmuster" des Probanden mit seinen alterstypischen Stärken und Schwächen in verschiedenen physischen und psychosozialen Funktionsbereichen quantitativ zu erfassen. Arbeitsmediziner erhalten somit Kriterien für eine differenzierte, ganzheitliche Beratung hinsichtlich der Gesundheitsförderung bzw. Erhalt der Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter. Der Work ability index basiert auf einer Befragung der Arbeitnehmer zu ihrer Arbeitsfähigkeit. Er soll die psychische und physische Verausgabung eines Arbeitnehmers bei der bisherigen Arbeit erfassen und eine Einschätzung der persönlichen Arbeitsfähigkeit erlauben. Eindeutige Beziehungen zwischen WAI und dem Alter und zwischen WAI und Parametern der Testbatterie waren für die untersuchte Population nicht nachweisbar. Die vorgestellten Methoden bilden unterschiedliche Aspekte der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern ab. Hinsichtlich eines praktischen Einsatzes der Methoden wäre z. B. denkbar, dem Beschäftigten nach einer WAI-Befragung gegebenenfalls eine weitere Diagnostik mit den in der Testbatterie enthaltenen Methoden anzubieten. Auf Basis dieser Ergebnisse können dann gezielte Maßnahmen zur Förderung der individuellen Arbeits- und Leistungsfähigkeit empfohlen werden.
Zur Einschätzung von Vitalität, Leistungsfähigkeit und Arbeitsbewältigung älterer Arbeitnehmer.
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2000.
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 876)
ISBN: 3-89701-492-0, 72 Seiten, Preis: 5,00 EUR, Projektnummer: F 5084, Papier
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