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Was verursacht "elektromagnetische Hypersensibilität"?

Individuelle Wahrnehmung oder reaktiv ausgelöste Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder

Deckblatt des Berichtes "Was verursacht 'elektromagnetische Hypersensibilität'?"

Das Problem der "elektromagnetischen Hypersensibilität" wirft die Frage auf nach der Wirkung physikalisch bedingter Immissionen durch elektromagnetische Felder im Nieder- und Hochfrequenzbereich, die weit unterhalb gesetzlich verbindlicher Grenzwerte liegen und deren physikalische Eigenschaften keine direkten biologischen Reaktionen mehr erwarten lassen. Zugleich geben zunehmend mehr Menschen an, gesundheitlich unter elektromagnetischen Feldern im Nieder- und Hochfrequenzbereich zu leiden, und begründen damit eine elektromagnetische Überempfindlichkeit, die durch sogenannten "Elektrosmog" ausgelöst worden sei.

Das Ziel dieser Studie ist es herauszufinden, welche Bedingungen für eine solche elektromagnetische Überempfindlichkeit sprechen könnten, um das Phänomen dieser sogenannten "Elektrosensibilität" zu objektivieren. Dazu wurde die Empfindlichkeit
auf ein magnetisches 50-Hertz-Feld der Stärke von 10 µT oder auf das Hochfrequenzfeld eines GSM-Mobiltelefons getestet.

Methodik: Im Provokationsexperiment wurden freiwillige Personen, die entweder gar nicht unter einer "Elektrosensibilität" litten (48 m, 48 w) oder die davon stark betroffen waren (n = 45), 3 Mal einer Schein- und 3 Mal einer der Feldexpositionen ausgesetzt, über deren Wechsel sie keine Kenntnis hatten. Nach jeder Expositionsphase wurde die Person befragt, ob sie ein Feld wahrgenommen habe. Über die gesamte Dauer aller 6 Expositionsphasen wurde die elektrische Leitfähigkeit des Handschweißes aufgezeichnet, um die Wirkung des elektromagnetischen Feldes in der elektrodermalen Aktivität (EDA) physiologisch zu erfassen. Um darüber hinaus Merkmale im Erleben und Verhalten einer Person charakterisieren zu können, wurden standardisierte psychometrische Verfahren zur Selbsteinschätzung eingesetzt und die Wahrnehmungsleistung getestet.

Ergebnisse: In keinem einzigen Fall konnte im Verlauf des Experiments eine feldabhängige Änderung für die elektrische Hautleitfähigkeit nachgewiesen werden. Auch eine Verzögerung der Wirkung war für den elektrischen Hautleitwert nicht expositionsabhängig nachweisbar. Eher reagierte die elektrische Hautleitfähigkeit auf die Vermutung der Person, dass die Feldexposition gerade aktiv sei. Obwohl die "elektrosensiblen" Personen sehr häufig angaben, dass sie das Feld wahrnehmen konnten, so lag ihre Trefferrate für die zutreffende Exposition doch nur im Zufallsbereich, wie auch die der Kontrollpersonen.

Fazit: Nach diesen Ergebnissen, die sich für die "Elektrosensiblen" wie auch für die Kontrollpersonen sowohl unter der Bedingung eines magnetischen 50-Hz-Feldes als auch unter der Immission eines Mobiltelefons übereinstimmend ergaben, lässt sich die "elektromagnetische Hypersensibilität" nicht auf eine Empfindlichkeit gegenüber real gegebenen Feldexpositionen zurückführen. Das Phänomen verweist auf subjektive Bedingungen im Erleben, die ursächlich von einer psychischen Disposition oder individuellen Stressbewältigung "elektrosensibler" Personen herrühren könnten.

 
G. Kaul:
Was verursacht "elektromagnetische Hypersensibilität"?. Individuelle Wahrnehmung oder reaktiv ausgelöste Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2009. 
ISBN: 978-3-88261-087-1, S. 198, Projektnummer: F 5212, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 1 MB)



Signaturen der BAuA-Bibliothek:
B424/ED200/28; DM19/ED200/28; D122/ED200/28