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Demografischer Wandel in der Bauwirtschaft

Konzepte und Modelle für den Erhalt und die Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit

Der demografische Wandel in Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich zu spüren sein, die Sicherung des Fachkräftebedarfs wird zunehmend schwieriger. Auch die Baubranche sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Deshalb wird es umso wichtiger, sichere und attraktive Arbeitsplätze zu gestalten, um Fachkräfte für die Baubranche zu gewinnen, zu halten und ihnen Perspektiven für ihr Arbeitsleben in der Branche anzubieten. Um den eigenen Fachkräftebedarf decken zu können, spielt das Image der Baubranche als Arbeitgeber eine wachsende Rolle. Gleichzeitig verändert der demografische Wandel die Nachfrage nach Bauleistungen. Altersgerechtes Bauen, barrierefreies bzw. barrierearmes Bauen, Serviceleistungen für Ältere für das Betreiben und Instandhalten von Immobilien sowie Einbau von Assistenzsystemen sind Beispiele für neue Marktfelder.

Mit den Modellprojekten des Förderschwerpunktes 2009-III wurden übergreifende und praxistaugliche Konzepte entwickelt und erprobt. Dabei ging es nicht nur um die Entwicklung von Praxishilfen - gleichzeitig wurden auch Transferstrukturen aufgebaut, z. B. durch eine enge Zusammenarbeit mit INQA-Bauen/Offensive Gutes Bauen. Grundlage für die Projekte waren u. a. die Machbarkeitsstudie "Demografischer Wandel - Konzepte und Modelle für den Erhalt und die Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit in der Bauwirtschaft" sowie ein ergänzendes Expertengutachten "Alters- und alternsgerechtes Arbeiten am Bau - Defizite und Ansatzpunkte".

Auch kleine Unternehmen der Bauwirtschaft können die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigen und neue Chancen für ihr Leistungsspektrum nutzen. Leistungsspektren und die Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiter beeinflussen sich gegenseitig. Hier muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden, sowohl als attraktiver Arbeitgeber seine Fachkräfte zu finden, zu binden und weiterzuentwickeln als auch mit einem tragfähigen Leistungsspektrum eine stabile Marktposition zu erlangen. In den geförderten Projekten wurden zur Unterstützung kleiner Unternehmen Angebote entwickelt und erprobt. Ein Basisinstrument für systematische Analysen und Verbesserungen ist auch die Praxishilfe CASA-bauen der Offensive Gutes Bauen (früher INQA bauen).

Zu den Aufgaben der Baubranche insgesamt gehören ganz wesentlich der Erhalt und die Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit. Die Arbeit am Bau weist bislang eine Vielzahl von Gefährdungen und Belastungen für die Beschäftigten auf. Diese schlagen sich beispielsweise in sehr hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten nieder. Viele Beschäftigte können bislang ihren Beruf nicht bis zum Renteneineintrittsalter ausüben. Zusätzlich verstärkt wird dies durch die demografisch bedingte Alterung des Erwerbspersonenpotenzials. Auch in den Bauberufen nimmt der Anteil älterer Beschäftigter deutlich zu. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach höheren Qualifikationen am Arbeitsmarkt zu. Diese Fragestellungen wurden insbesondere im Projekt ErwerbsverlaufBau untersucht. Ziel war, die Potenziale und Ansatzpunkte für systematisch entwickelte Erwerbsverläufe mit Tätigkeitswechseln und auch mit Branchenwechseln zu untersuchen. Sie sind eine Möglichkeit, arbeitsbedingte Belastungen zu reduzieren. Die Projektergebnisse legen nahe, dass dies aber jeweils individuelle Einzellösungen sind, die in der Breite nicht für alle älteren Beschäftigten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sind Branchenwechsel mit dem Verlust der Fachkräfte für die Bauunternehmen und Handwerksbetriebe sowie häufig auch mit Statusverlusten für Beschäftigte verbunden. Sinnvoll erscheint deshalb, die arbeitsbedingten Belastungen, insbesondere auch die physischen Belastungen, insgesamt weiter zu reduzieren, um die Fachkräfte länger in der Bauwirtschaft halten zu können.

Gefördert in der Zeit vom 2010 bis 2013 wurden die Projekte:

BauWertInWest®- Potenziale im Handwerk nutzen

Logo: BauWertInWest®

Das Konzept von BauWert-InWest® lautet: Wertsteigerung durch Qualität - Gesundheit - Vernetzung. In den Pilotregionen wurden kleine Unternehmen aus der Bauwirtschaft modellhaft bei betrieblichen Analysen und Weiterentwicklungen unterstützt. Der Einstieg in die Entwicklung zu demografiestabilen Unternehmen erfolgte u. a. mit einer Selbstbewertung mit der Praxishilfe CASA-bauen.

Darauf aufbauend werden bedarfsorientiert vertiefende Analysen durchgeführt und ein betriebsbezogener lösungsorientierten Optimierungsplan erarbeitet. Die praktischen Erfahrungen, die die Betriebe mit den Projektmaßnahmen machten, und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation trugen zur weiteren Verbesserung der Instrumente und des Maßnahmenkatalogs bei. Zum Projektabschluss wurde ein umfassendes Handbuch als Toolbox veröffentlicht, das bundesweit allen Handwerksunternehmen zur Verfügung steht.

Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH leitete das Verbundprojekt und kooperierte mit den Projektpartnern: Arbeitsmedizinischer Dienst der BG Bau - Dortmund, Berufsforschungs- und Beratungsinstitut für interdisziplinäre Technikgestaltung BIT e. V. - Bochum, Kompetenzzentrum Netzwerkmanagement KNM e. V. - Köln.

http://www.bauwert-inwest.de


CHRONOS

Logo: CHRONOS

Im Modellprojekt CHRONOS wurde ein modulartig aufgebautes Programm zur Gestaltung alters- und alternsgerechter Arbeitsplätze entwickelt. Dazu erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen der Bauwirtschaft - Kernpartner waren hier die Innung SHK Sanitär-Heizung-Klempner-Klima in Berlin und die Handwerkskammer Berlin.

Ergebnisse der Arbeit mit den Pilotbetrieben der Innung SHK Berlin sind Interventionsbroschüren zu den Themen Sicherer Betrieb, Gesunder Betrieb, Personalentwicklung und Organisation. Weitere Ergebnisse wurden in die Toolbox von BauWert-InWest integriert.

Parallel zu den betrieblichen Aktivitäten wurden Ansätze für Veränderungen im Umfeld der Handwerksbetriebe erprobt, z. B. mit Informationstagen für Auszubildende oder Ringvorlesungen für zukünftige Bauingenieure. Die zentralen Instrumente werden in die Aktivitäten des Regionalen Netzwerks INQA-Bauen Berlin/Brandenburg integriert.

Das Projekt wurde gemeinsam von der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH (zum 01.09.2013 ist die TSB Berlin GmbH im Rahmen eines Fusionsprozesses in Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH aufgegangen), der uve GmbH für Managementberatung und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz bearbeitet.

http://www.chronos-projekt.de


VegAB - Verbesserung des gelebten Arbeitsschutzes auf Baustellen

Logo: VegAB

Ziel des Modellprojekts VegAB ist eine Verbesserung im gelebten Arbeitsschutz auf Baustellen. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den Zielgruppen "Jugendliche" und "ältere Beschäftigte". Schon bei Berufsanfängern soll das Bewusstsein für sicheres und gesundes Arbeiten entwickelt werden, damit der Bauberuf ein Arbeitsleben lang ausgeübt werden kann. Zielgruppenbefragungen zu Einstellungen und Erwartungen an Bauberufe bildeten eine wichtige Arbeitsgrundlage.

Ergebnisse des Projektes sind z. B. ein Schulungsmodell für eine lebenslange Arbeitschutzausbildung und Schulungsmodule, z. B. für Auszubildende. Für kleine Betriebe wurde eine Praxishilfe erarbeitet, um die eigene Arbeitgeberattraktivität zu entwickeln. Das im Projekt entwickelte Mentorenprogramm hilft, Auszubildende besser in das Unternehmen zu integrieren. Damit kann nicht nur Arbeitsschutzwissen im Betrieb vermittelt werden, auch für die Kommunikation und Zusammenarbeit entstehen positive Effekte.

Das Projekt wird gemeinsam bearbeitet durch das Interdisziplinäre Zentrum III - Management technischer Prozesse an der Bergischen Universität Wuppertal und den Bildungszentren der Baugewerbes e.V. (BZB).

http://www.vegab.uni-wuppertal.de


ErwerbsverlaufBau - Gestaltung inner- und überbetrieblicher Erwerbsverläufe in der mittelständischen Bauwirtschaft

Logo: ErwerbsverlaufBau

Hinweis: Dieses Projekt wurde nicht im Rahmen des Modellprogramms sondern durch Projektförderung der Initiative Neue Qualität der Arbeit gefördert. Inhaltlich ist es eng verbunden mit den Fragestellungen des Modellprogramms und wird deshalb hier ebenfalls dargestellt.

Im Projekt wurden besonders belastete Berufsgruppen in den Bauberufen ermittelt, physisch und psychisch weniger belastende Tätigkeiten in der Wertschöpfungskette Bau identifiziert, für die zuvor ausgewählten Berufsgruppen notwendige Qualifikationserfordernisse bestimmt und Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote entwickelt und modellhaft umgesetzt.

Das Projekt liefert belastbare Einschätzungen zu den Potenzialen einer gezielten Planung überbetrieblicher und branchenübergreifender Erwerbsverläufe: Gezielt in der Bauwirtschaft gestaltete Branchenwechsel sind ein Weg, ein Lösungsbaustein und können mit der Umsetzung von Projektergebnissen besser strukturiert und gestaltet werden. Das Interesse der Bauwirtschaft an einem Branchenwechsel, also dem Verlassen der Branchen ist aber gering. Die Bauwirtschaft benötigt leistungsfähige Fachkräfte und will diese grundsätzlich halten. Lösungen zur Bewältigung des demografischen Wandels müssen deshalb überwiegend in der Branche und nicht in einem Branchenwechsel gesucht werden.

Eine Herausforderung für die Strukturierung von Weiterbildungsangeboten sind individuelle Leistungsvoraussetzungen und Entwicklungsziele auf der Seite von Beschäftigten und andererseits spezifische Bedarfe in den analysierten Tätigkeitsbereichen und den aufnehmenden Unternehmen für überbetrieblicher Erwerbsverläufe. Mit dem entwickelten Modulkonzept besteht eine klare und flexibel anpassbare Struktur für das Zusammenstellen passender Weiterbildungsangebote sowohl für Beschäftigte und gleichzeitig auch für aufnehmende Unternehmen.

Die Ergebnisse sind für einen nachhaltigen Transfer, insbesondere für die weiteren fachpolitischen Diskussionen, in einer Handlungshilfe zusammengefasst.

Kooperationspartner im Projekt waren das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen (IAQ), das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V. und die RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum. Um möglichst vielfältige Wirkungszusammenhänge von Beginn an zu berücksichtigen, ist das Forschungsprojekt als ein Sozialpartnerprojekt konzipiert. Dies umfasst Sozialpartner der Bauwirtschaft (Bauindustrieverbände, Baugewerbeverbände und die IG BAU), sowie entsprechende Weiterbildungseinrichtungen.

http://www.erwerbsverlauf-bau.de

Downloads

Handlungshilfen und Produkte

Projekt BauWert-InWest®- Potenziale im Handwerk nutzen:
Handbuch: Wertsteigerung im demografischen Wandel (PDF-Datei, 2 MB)
Abschlussbericht (PDF-Datei, 5 MB)

Projekt CHRONOS:
CHRONOS-Werkzeugkasten
Abschlussbericht (PDF-Datei, 686 KB)

VegAB - Verbesserung des gelebten Arbeitsschutzes auf Baustellen:
Abschlussbericht (PDF-Datei, 4 MB)

Projekt ErwerbsverlaufBau:
Abschlussbericht (PDF-Datei, 942 KB)

 

Ansprechpartner in der BAuA 

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Fabricestraße 8 
01099 Dresden

Stephan Gabriel
Gruppe 6.4 "Regionaler Transfer, Branchen"
Tel. 0351 5639-5303