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Jugendarbeitsschutz / Junge Arbeitnehmer

Wer als Jugendlicher vor 50 Jahren ins Berufsleben einstieg, hatte es nicht leicht: besondere Arbeitsschutzmaßnahmen waren weitgehend unbekannt, kaum gesetzlich reglementiert und nicht bundeseinheitlich geregelt. Diese Lücke im Arbeitsschutz wurde am 9. August 1960 bedeutend kleiner, da trat ein bundesweit einheitliches Jugendarbeitsschutzgesetz in Kraft. Es legte unter anderem das Mindestalter einer Beschäftigung auf 14 Jahre fest und verbot Akkord- und Fließbandarbeit bis zum 18. Lebensjahr.

drei Jugendliche an einer Maschine. Foto: Uwe Völkner, Fotoagentur FOXQuelle: Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Seither wurde das Gesetz mehrfach novelliert und an neuere Entwicklungen angepasst. Die Kernaussage ist aber die gleiche geblieben: Weil Kinder und Jugendliche auf Grund Ihrer Entwicklung weniger belastbar sind als Erwachsene, können sie auch nicht den gleichen Arbeitsanforderungen ausgesetzt werden. Deshalb bedürfen sie eines besonderen Schutzes. Diese Schutzbedürftigkeit schlägt sich in spezifischen Regelungen unter anderem über die Lage, Dauer und Verteilung der Arbeitszeit, den Urlaubstagen, den Ruhezeiten und den Sicherheitsbestimmungen nieder. Dieser Schutz ist besonders wichtig. Statistiken zeigen, dass Berufsanfänger beispielsweise im Vergleich zu älteren Beschäftigten ein erhöhtes Unfallrisiko tragen. Sie sind unerfahren, kennen die Abläufe nicht und sind häufig nicht für Probleme der Sicherheit sensibilisiert. Europaweit liegt heute das Unfallrisiko am Arbeitsplatz bei 18-24-Jährigen um über 50 Prozent höher als bei anderen Altersgruppen.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz selbst bietet in Bezug auf Arbeitszeiten und Sicherheitsmaßnahmen im Grunde relativ wenig Gestaltungsspielraum. Wann, wie lange und wie häufig gearbeitet werden darf, ist genau festgeschrieben. Die Ursachen für Verstöße gegen diese Vorschriften sind häufig in den Betrieben zu suchen. Denn gesetzlich sind die Ausbildenden durchaus in der Pflicht: So sind eine Gefährdungsbeurteilung und geeignete Sicherheitsvorkehrungen ebenso vorgeschrieben wie die Unterweisung und Betreuung von Azubis und die Einrichtung von besonderen Regeln zum Schutz junger Berufstätiger. Auch müssen sie dafür sorgen, dass Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden. Überschrittene Arbeitszeiten und fehlende Unterweisungen sind also eher ein betriebliches denn ein gesetzliches Problem.

Für die Überwachung der Einhaltung des Gesetzes sind die Länder verantwortlich. Eine Übersicht über die zuständigen Behörden, nach Bundesland, an die sich Eltern und Jugendliche bei Problemen wenden können, finden Sie auf dieser Seite.

Im Jahr 2006 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur fachlichen Überprüfung des Jugendarbeitsschutzgesetzes eingesetzt. Im Rahmen der Beratung wurden drei Forschungsprojekte durch die Arbeitsgruppe und das BMAS initiiert, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fachlich begleitet wurden.

Zwei Forschungsvorhaben "Auswirkungen der Arbeit von Jugendlichen am Abend und in den Nachtstunden" und "Auswirkungen der Arbeit von Jugendlichen in den frühen Morgenstunden“ wurden von der Firma AWiS-consult durchgeführt. Am Beispiel des Hotel- und Gaststättengewerbes bzw. der Beschäftigung Jugendlicher in Bäckereien und Konditoreien werden die Auswirkungen von Arbeitstätigkeiten am Abend und in den Nachtstunden bzw. in den frühen Morgenstunden auf Gesundheit, physische und psychische Entwicklung sowie soziale Integration von jugendlichen Auszubildenden untersucht, insbesondere die Auswirkungen auf Belastung, gesundheitliches Befinden, Freizeitverhalten, Schlaf sowie Zufriedenheit mit berufsbezogenen und arbeitszeitbezogenen Aspekten.

Das Projekt "Ärztliche Untersuchungen von jungen Menschen unter achtzehn Jahren im Hinblick auf ihre Gesundheit und Entwicklung im Arbeitsleben in ausgewählten EU-Mitgliedstaaten" ist von einem Projektverbund der Technischen Universität Dresden durchgeführt worden. Es beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie sich die ärztlichen Untersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz auf der Grundlage eines Vergleichs mit anderen EU-Mitgliedstaaten wirksamer gestalten lassen, um Jugendliche vor Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und Entwicklung zu schützen.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel und den sich schon heute ankündigenden Fachkräftemangel ist es fraglich, ob Betriebe, die den Jugendarbeitsschutz ignorieren, noch lange wettbewerbsfähig bleiben werden. Schon aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Einhaltung des Gesetzes daher sinnvoll. Denn ausgeruhte und gut unterwiesene Mitarbeiter sind seltener krank und insgesamt leistungsfähiger.

Insgesamt hat sich das bundeseinheitliche Jugendarbeitsschutzgesetz in den vergangenen 50 Jahren bewährt.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die Broschüre "Klare Sache - Jugendarbeitsschutz und Kinderarbeitsschutzverordnung" herausgegeben, die das Gesetz verständlich erklärt. Die Broschüre kann auf den Internetseiten des BMAS bestellt oder heruntergeladen werden.