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Schutzmaßnahmen gegen Gesundheitsschäden bei beruflichen Tätigkeiten durch Brennhaare des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea)

Gesundheitliche Gefährdung durch Brennhaare des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner (EPS, lat. Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter und Eichenfraßschädling. Die Raupen des Eichenprozessionspinners tragen Brennhaare, welche das für Mensch und Tier gesundheitsschädliche Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Die Brennhaare sind sehr klein (Länge etwa 0,2 mm, Durchmesser etwa 0,005 mm), brechen bei Berührung leicht ab und können über Jahre hinweg nesselnd wirken. Deshalb sind sie nicht nur auf den von Mai bis Juli in Gruppen prozessierenden Raupen selbst vorhanden, sondern auch auf deren Pfaden und Häutungsresten sowie in Gespinstnestern, welche die Raupen zur Verpuppung bilden. Auch durch Wind können Brennhaare verschleppt werden. Seit etwa 20 Jahren breitet sich der Eichenprozessionsspinner in Deutschland auch im städtischen Bereich zunehmend aus.

Thaumetopoein löst bei Kontakt mit Haut und Schleimhaut einschließlich Auge und Lunge starke Irritationen und Entzündungen aus. Auf der Haut, besonders an direkt betroffenen Stellen wie Arm, Bein, Nacken und Gesicht treten i.d.R. innerhalb von 24 h Quaddeln und starker Juckreiz auf. Unbehandelt dauern diese Beschwerden je nach Kontaktausmaß und individueller Konstitution zwischen 2 Tagen und 2 Wochen an. Das Einatmen der Brennhaare kann Atemwegsentzündungen und Atembeschwerden nach sich ziehen. Nach Augenkontakt können Bindehaut- und Hornhautentzündungen auftreten. Auch systemische Beschwerden wie Schwindel, Fieber und seltener Schockzustände wurden beschrieben.

Schutzmaßnahmen gegen Gesundheitsschäden durch Brennhaare

Organisatorische Maßnahmen gegen Gesundheitsschäden

Der Aufenthalt in befallenen Bereichen ist zu vermeiden. Eichen sind vor Forstarbeiten auf Befall zu kontrollieren. Jeglicher Hautkontakt mit Raupen und Nestern ist zu vermeiden. Befallene Bereiche sind ggf. abzusperren und mit Gefahrhinweisen auszuschildern.

In befallenen Bereichen während der Arbeit nicht essen, trinken und rauchen. Die Hände regelmäßig und außerdem bei Verdacht auf Verunreinigung mit Brennhaaren reinigen, dabei die Hautpflege gemäß Hautschutzplan beachten. Pausenbereiche nicht mit verunreinigter Arbeitskleidung betreten.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) unmittelbar nach Gebrauch sachgerecht ablegen, z. B. Schutzanzüge mit der Außenseite nach innen umkrempeln und in verschließbaren Beuteln, Tragetaschen o.a. Behältern verstauen.

PSA und mit Brennhaaren verunreinigte Arbeitsmittel einschl. Kraftfahrzeugen sind sachgerecht zu reinigen. Bezüglich der Waschtemperatur zur Inaktivierung des Nesselgiftes an verunreinigter Kleidung geben Empfehlungen min. 60 °C an.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA, Empfehlung)

PSA sollte als Schutzmaßnahme erst dann Anwendung finden, wenn andere Maßnahmen wie Zutrittsvermeidung nicht möglich sind und Arbeiten wie Bekämpfung, Baumschnitt u.a. nur mit Betretung befallenen Gebietes möglich sind.

Atem- und Augenschutz sollten mindestens aus Atemschutzmaske FFP2 mit Ausatemventil und Korbbrille bestehen (s. BGR 190 und BGR 192).

Ein körperbedeckender Schutzanzug mit Kopfbedeckung, z.B. Chemikalienschutzanzug gemäß DIN EN 14605 Typ 4B sowie geschlossenes, leicht zu reinigendes Schuhwerk, z. B. Nitrilstiefel gemäß EN 13832-3 und impermeable Schutzhandschuhe mit einer den vorgesehenen Arbeiten angemessenen mechanischen Belastbarkeit sollten getragen werden.

Verhalten beim Auftreten von Beschwerden

Bei Beschwerden durch Brennhaare oder Verdacht darauf ist ein Arzt aufzusuchen. Dieser ist darüber zu informieren, dass EPS-Brennhaare die Ursache der Beschwerden darstellen könnten.

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Wirksame Maßnahmen zur EPS-Bekämpfung sind Biozidbehandlungen gegen Raupen sowie Entfernung der Gespinstnester.

Raupen werden mit chemischen oder biologischen Bioziden vorzugsweise zwischen Schlupf und dritter Häutung bekämpft. Brennhaare treten ab der dritten Häutung auf; bis zur Verpuppung finden 5-6 Häutungen statt. Bei Biozidbehandlungen können weitere Schutzmaßnahmen entsprechend den Bestimmungen zur sicheren Biozidanwendung zusätzlich zu den hier genannten notwendig sein.

Gespinstnester sollten abgesaugt werden (Staubklasse H, ggf. Vorabscheider), da hierbei die Gefahr des Aufwirbelns von Brennhaaren im Vergleich zu anderen Verfahren geringer ist.