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7. Deutscher Gefahrstoffschutzpreis verliehen

Im Rahmen der 24. Münchener Gefahrstofftage wurde die Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG am 26. November 2008 in München mit dem Deutschen Gefahrstoffschutzpreis ausgezeichnet. Mit ihrem Lackadditiv Antigel®KF überzeugte sie die unabhängige Jury des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ausgelobten Preises. Mit dem neuen Lackzusatz lässt sich das krebsverdächtige Methylethylketoxim (MEKO) ersetzen. Der mit 5.000 Euro dotierte Deutsche Gefahrstoffschutzpreis honoriert vorbildliche und wegweisende Aktivitäten zum Schutz vor Gefahrstoffen und macht sie so einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Insgesamt beurteilte die Jury 27 Bewerbungen aus vier Kategorien.

Methylethylketoxim (MEKO) wird als Antioxidans eingesetzt, um Hautbildungen auf Farben und Lacken zu verhindern. Doch MEKO steht unter dem Verdacht, Krebs erzeugen zu können. Zudem wirkt der Stoff sensibilisierend. Deshalb hat die Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG den Ersatzstoff Antigel®KF entwickelt. Mit dieser Zubereitung aus mehreren Komponenten lässt sich das MEKO ersetzen. Im Gegensatz zu MEKO ist Antigel®KF nach Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG nicht einzustufen. Zudem ist MEKO zu 100 Prozent eine flüchtige organische Verbindung (VOC). Mit einem deutlich geringeren VOC-Anteil von 17 Prozent leistet Antigel®KF nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz der menschlichen Gesundheit, sondern auch zum Schutz der Umwelt vor schädlichen Emissionen.

Die ausgewogene Kombination eines Alcanolamins mit überwiegend nicht eingestuften Stoffen ermöglicht die Substitution von MEKO in Beschichtungssystemen sowohl auf Wasser-, als auch auf Lösemittelbasis. Zudem verhindert Antigel®KF nicht nur die Hautbildung, es hat darüber hinaus weitere positive Effekte. Damit profitiert der Anwender von einer gesteigerten Effizienz und hat Kostenvorteile.

Die Vorteile des Ersatzstoffes Antigel®KF auf einen Blick:

  • kennzeichnungsfreie Wirkstoffkombination
  • Kostenersparnis durch multifunktionale Eigenschaften in wasser- und lösemittelbasierten Lacksystemen:

    • verkürzt die Dispergierzeit
    • vermeidet Hautbildung im Gebinde
    • verbesserte Pigmentbenetzung
    • optimiert Glanz und Verlauf
    • hemmt Bodensatzbildung
    • stabilisiert die Viskosität

Zudem belobigte die Jury drei weitere Bewerber besonders:

Die Electrovac Hacht & Huber GmbH für eine Technische Lösung zum staubarmen Sackentleeren, die Henkel AG & Co. KGaA für staubarme Produkte in der Baubranche und das Städtische Klinikum Braunschweig gGmbH für ein umfassendes datenbankgestütztes Gefahrstoffmanagementsystem.

Beim Ansetzen von Kalkmilch zur Abwasserbehandlung entstanden hohe Staubbelastungen. Kommerziell angebotene Lösungen (Einhausung und Absaugung) waren sehr teuer. Deshalb erdachten Mitarbeiter der Firma Electrovac Hacht & Huber GmbH eine Spezialkonstruktion und realisierten sie in Eigeninitiative unter Ausnutzung verfügbarer Komponenten. Der Sack wird auf eine schwenkbare Schütte mit Deckel gelagert, von unten durch hohle Dornen geöffnet und auf der anderen Seite mit einem Messer aufgeschlitzt. Der Deckel wird geschlossen, die Schütte über das Fass geschwenkt und der Sack über die hohlen Dornen mit Wasser ausgespült. Die feuchten Säcke lassen sich ohne Staubentwicklung entsorgen. Dabei war die Eigenkonstruktion erheblich schneller und preisgünstiger zu realisieren als kommerziell angebotene Lösungen.

Im Ergebnis werden die Staubbelastungen effektiv verringert. Die Lösung ist genial einfach und lässt sich zwanglos auf andere Bereiche übertragen, in denen Feststoffe als Sackware in wässrige oder lösemittelhaltige Systeme dosiert werden wie beispielsweise Zement auf Baustellen oder Mehl in Bäckereien.

Die Firma Henkel AG & Co. KGaA entwickelte eine neue Technologie, um Staubentwicklung bei der Verarbeitung von pulverartigen Spachtelmassen, Fliesenklebern und Mörteln zu reduzieren. Unter den Marken Ceresit und Thomsit wurden bereits vier Produkte in den Markt eingeführt.

  • Ceresit Microgranulat Fliesenkleber (flexibler Dünnbettmörtel)
  • Thomsit RX 20 Premium-Nivelliermasse
  • Ceresit CN 90 EasyPlan Plus (selbstglättende Bodenausgleichsmasse)
  • Ceresit CM 90 EasyFlex Plus (Dünnbettklebemörtel)

Durch den Einsatz von Thomsit RX 20 Premium-Nivelliermasse lassen sich Staubbelastungen auf Baustellen um mindestens 90 Prozent verringern.

Im Gefahrstoffmanagementsystem des Städtischen Klinikums Braunschweig gGmbH sind das Zusammenspiel der Zentraleinheiten mit den Bereichen und die Nutzung elektronischer Unterstützungsinstrumente vorbildlich geregelt. Die Unterweisung besteht aus einer effektiven Mischung mit computergestützten und mündlichen Anteilen.
Das Managementsystem basiert auf einem bereichsbezogenen Gefahrstoffverzeichnis, das die wesentlichen Grundinformationen wie Betriebsanweisungen und Sicherheitsdatenblätter enthält. Zusätzlich werden alle Informationen zum Thema Gefahrstoffe zentral im Intranet des Klinikums hinterlegt und regelmäßig aktualisiert. Es gibt drei Managementprozesse: Gefahrstoff-Eingang, Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung.

1. Gefahrstoff-Eingang

Das Gefahrstoffmanagement- und das Materialwirtschaftssystem sind vernetzt. Schon beim Chemikalieneinkauf wird gewährleistet, dass die notwendigen Stoffinformationen schnell und aktuell zur Verfügung stehen und die Angaben in das System eingepflegt werden.

2. Gefährdungsbeurteilung

Die Vorgesetzten in den Bereichen arbeiten mit den Arbeitsschutzexperten der Zentraleinheit in einem festgelegten Verfahren interaktiv zusammen:

  • Schritt 1: Der Vorgesetzte des Bereichs erhält einen elektronisch generierten Erfassungsbogen. Er prüft die Angaben, beschreibt den Aggregatzustand der Stoffe, Kontaktmöglichkeiten und -häufigkeiten sowie den Verwendungszweck.
  • Schritt 2: Der Vorgesetzte des Bereichs prüft anhand einer Checkliste die Einhaltung der Grundsätze nach TRGS 500.
  • Schritt 3: Die zuständigen Experten für Gefahrstoffe und Arbeitsmedizin beurteilen die Gefährdung und legen zusammen mit dem Vorgesetzten die Maßnahmen fest.
  • Schritt 4: Gefährdungsbeurteilung und Erfassungsbögen werden im System gespeichert.
  • Schritt 5: Die Gefährdungsbeurteilung wird regelmäßig alle 2 Jahre oder bei betrieblichen Änderungen überprüft. Das Datum der letzten Aktualisierung wird automatisch angezeigt.

3. Unterweisung

Die Unterweisung der Mitarbeiter erfolgt in einer Mischung aus computerbasiertem und mündlich vermitteltem Lernen.

  • Schritt 1: Der Vorgesetzte führt mündlich in ein computerbasiertes Unterweisungsprogramm ein. Die Fragenkataloge des Programms werden jährlich zentral aktualisiert.
  • Schritt 2: Der Mitarbeiter bearbeitet die Fragenkataloge mit Hilfe der im Intranet hinterlegten und abrufbaren Informationen. Er hat eine persönliche, passwortgeschützte Zugangsberechtigung zum Unterweisungsprogramm.
  • Schritt 3: Der Vorgesetzte wertet die Ergebnisse (anonymisiert) der Arbeit am Computer aus.
  • Schritt 4: Im Abschlussgespräch werden häufige oder besonders kritische Probleme durch den Vorgesetzen zur Sprache gebracht. Hier ist auch Gelegenheit für praktische Übungen.
  • Schritt 5: Die Teilnahme an der Unterweisung wird durch Unterschrift dokumentiert.