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Stellungnahme des ABAS zum manuellen Sortieren von Abfällen außerhalb von speziellen Anlagen

Manuelles Sortieren von Abfällen außerhalb von speziellen Anlagen

Der ABAS hat in seiner Sitzung vom 20.11.2002 hinsichtlich der zu ergreifenden Schutzmaßnahmen beim händischen Sortieren von Abfällen folgende Stellungnahme beschlossen:

1 Allgemeines

Die Umweltgesetzgebung fördert u. a. durch das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz und seine Verordnungen die Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel der Schonung der natürlichen Ressourcen und der Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen.

Die umweltgerechte Verwertung der Abfälle erfordert die getrennte Erfassung unterschiedlicher Fraktionen, wie z. B. Verkaufsverpackungen, Transportverpackungen, Altpapier, Gartenabfällen und sog. Restabfällen. Darüber hinaus wird zur Verwertung dieser Abfälle in Abfallbehandlungsanlagen vielfach eine mechanische oder manuelle Trennung verschiedener Stoffströme durchgeführt (z. B. in Wertstoffsortieranlagen, biologischen und mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen).

Die getrennte Erfassung von Abfällen wird i. d. R. durch gestaffelte Entsorgungsgebühren/-kosten motiviert. Für Wohnanlagen mit mehreren Wohneinheiten und für Gewerbebetriebe besteht ein finanzieller Anreiz, vermischte Abfälle, die nicht ausreichend getrennt vorliegen, noch vor Ort zu sortieren. Insbesondere wird die Sortierung von Abfällen an Behälterstandplätzen auch als ambulante Dienstleistung durchgeführt. Bei der manuellen Sortierung werden Tätigkeiten durchgeführt, die einen unmittelbaren Umgang mit Abfall bedingen. Die vorliegende Stellungnahme bezieht sich ausschließlich auf diese Tätigkeiten mit Siedlungsabfällen.

Siedlungsabfälle im Sinne dieses Beschlusses sind Restabfälle aus Haushaltungen und anderen Herkunftsbereichen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Zusammensetzung den Abfällen aus Haushaltungen ähnlich sind (Schlüsselnummerngruppe 20 nach Abfall-Verzeichnis-Verordnung AVV). Dazu gehören z. B. Hausmüll, Sperrmüll, hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, Garten und Parkabfälle, Markt- und Straßenreinigungsabfälle, getrennt gesammelte Fraktionen wie Papier- und Verpackungsabfälle sowie Abfälle, die wie Siedlungsabfälle entsorgt werden.

2 Ziel

Ziel dieser Stellungnahme ist es, Anforderungen an die Schutzmaßnahmen für die manuelle Sortierung von Abfällen außerhalb von speziellen Anlagen zu definieren, um die Exposition von Beschäftigten gegenüber biologischen Arbeitsstoffen und damit die Gefährdung durch diese zu minimieren.

3 Gefährdung bei der manuellen Sortierung von Abfällen

Bei der manuellen Sortierung von Abfällen kommen Beschäftigte mit Materialien und Gegenständen in Berührung, denen biologische Arbeitsstoffe mit infektiösen, sensibilisierenden oder toxischen Wirkungen (z. B. Hepatitis Viren, HIV, Enterobakterien, Erreger von Wundinfektionen, Schimmelpilze, Actinomyceten) anhaften oder die durch diese verunreinigt sein können.

Die auftretenden biologischen Arbeitsstoffe sind nicht im Einzelnen der Art, Menge und Zusammensetzung nach bekannt. Es kommt zu einer mikrobiellen Mischexposition der Beschäftigten, wobei die Expositionsverhältnisse zeitlich und räumlich starken Schwankungen unterliegen. Aus diesen Gründen handelt es sich um nicht gezielte Tätigkeiten im Sinne der Biostoffverordnung. Neben der biologischen Gefährdung bestehen in der Regel weitere Gefährdungen, z. B. durch Gefahrstoffe.

Die Gefährdung wird wesentlich durch bauliche und technische Rahmenbedingungen beeinflusst. Insbesondere bei der manuellen Abfall-Sortierung an Standplätzen für Abfallbehälter in Wohnanlagen und Gewerbebetrieben kann die Gefährdung gegenüber vergleichbaren Tätigkeiten in Abfallsortieranlagen deutlich erhöht sein. Als nachteilige Faktoren kommen in Betracht: Mangelhafter Luftwechsel, beengte räumliche Verhältnisse, Arbeiten in körperlicher Zwangshaltung, extreme klimatische Verhältnisse, erhöhte Verletzungsgefahr aufgrund unzureichender Beleuchtung und damit verbundene Infektionsgefährdung durch Stich- und Schnittwunden sowie durch Nagetierbefall. Die Stellplätze für Abfallbehälter sind in der Regel nicht als Arbeitsplätze ausgelegt.

Wegen der unterschiedlichen Arbeitsbedingungen, wie wechselnde bauliche und technische Gegebenheiten, zeitlicher Umfang, Häufigkeit der Tätigkeiten und Zusammensetzung der Abfälle ist die Zuordnung der Tätigkeiten zu einer Schutzstufe nicht übergreifend möglich und muss für jeden konkreten Einzelfall geprüft werden.

Als Orientierungshilfe für die Zuordnung von Tätigkeiten zu einer Schutzstufe können neben einschlägigen Publikationen z. B. die TRBA 211 und 210² herangezogen werden. Die genannten TRBA beschreiben für vergleichbare Tätigkeiten auch die erforderlichen Schutzmaßnahmen nach Stand der Technik. Es ist zu ermitteln, ob die baulichen und technischen Voraussetzungen die Durchführung der erforderlichen Schutzmaßnahmen vor Ort zulassen.

Eine mögliche Gefährdung Dritter (z. B. Hausbewohner) ist zusätzlich zu berücksichtigen.

4 Anforderungen an manuelle Sortiertätigkeiten

Das durch die Schutzmaßnahmen der TRBA 211² beschriebene Schutzniveau für manuelle Sortiertätigkeiten muss auch bei vergleichbaren Tätigkeiten außerhalb von Abfallbehandlungsanlagen erreicht werden.

Die Biostoffverordnung gibt technischen Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und schränkt die Verwendung von persönlichen Schutzmaßnahmen ein. Das erforderliche Schutzniveau setzt bauliche (z. B. bauliche Trennung) und technische (z. B. lüftungstechnische Einrichtungen) Gegebenheiten voraus, die in der Regel nur in stationären Anlagen vorhanden sind und sachgerecht betrieben werden können. Die Anforderungen der Biostoffverordnung können bei fehlenden baulichen und technischen Gegebenheiten außerhalb der dafür vorgesehenen technischen Anlagen gemäß den o. g. TRBA (z. B. innerhalb von Wohnanlagen) i. d. R. nicht erfüllt werden.

Die Sortierung von Abfällen ist außerhalb solcher Arbeitsbereiche nur in Ausnahmefällen als kurzzeitige, und vereinzelte Maßnahme zulässig (z. B. Abfallanalytik¹, d. h. mengenmäßige Beschränkung auf eine Abfallprobe und nachweisliche Ausrichtung der Tätigkeiten auf eine analytische Fragestellung), wenn durch geeignete Schutzmaßnahmen das gleiche Schutzniveau sichergestellt ist.

Bei der Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber (z. B. Hauseigentümer - hier z. B. auch Hausmeister/Haustechniker -, Gebäudereinigungsunternehmen, Fremdfirmen) besteht nach § 8 Arbeitsschutzgesetz eine besondere Koordinierungspflicht. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen sind zwischen den beteiligten Arbeitgebern abzustimmen und anzuwenden. Die Unterrichtungspflichten gegenüber der zuständigen Behörde nach § 16 Biostoffverordnung sind zu beachten.

1) Für die Abfallanalytik wird zur Zeit ein ABAS-Beschluss vorbereitet.
2) Aktualisierungshinweis: Die TRBA 210 und 211 wurden im Juli 2007 aufgehoben und inhaltlich in die TRBA 214 "Abfallbehandlungsanlagen einschließlich Sortieranlagen in der Abfallwirtschaft" integriert.

Zum Thema im Internet

 

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