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Berufliche Gefährdung der Landwirte durch Hantaviren


Hantaviren verursachen Zoonosen, die sich in West-Europa v.a. als Nephropathia epidemica manifestieren, einer Form des Hämorrhagischen Fiebers mit Renalem Syndrom. Die Erreger werden von den Reservoirtieren (Mäuse, Ratten) über Speichel, Urin und Fäzes ausgeschieden und bleiben darin längere Zeit infektiös. Der Mensch infiziert sich über die Inhalation erregerhaltigen Staubes. In Deutschland liegen bekannte Hantavirus-Endemiegebiete im Zentrum Baden-Württembergs. In einer Region mit geringerer Hantavirus-Infektionswahrscheinlichkeit, in Südbaden, wurde die nachfolgend dargestellte seroepidemiologische Untersuchung zur Erfassung der beruflichen Gefährdung der Landwirte durch Hantaviren durchgeführt. Hierzu wurde auf Serumproben und Fragebogendaten aus zurückliegenden Untersuchungen zu zeckenbedingten Erkrankungen der Jahre 1995-1997 zurückgegriffen und hieraus ein altersstandardisiertes Kollektiv gebildet. N=261 Landwirte konnten derart altersstandardisiert mit n=138 Forstwirten und Waldarbeitern verglichen werden sowie mit n=288 Personen ohne berufliche Exposition, von denen die Hälfte Freizeitaktivitäten in der Natur, die andere Hälfte keine derartige Expositionsmöglichkeit angab. Zu serologischen Untersuchungen wurden kommerzielle Testsysteme eingesetzt: neben dem "Hantavirus ELISA IgG" (MRL Diagnostics) ein Line-Assay (recomLine Bunyavirus, Mikrogen) als Bestätigungstest. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SPSS 10. Die Seroprävalenz (ELISA) im Gesamtkollektiv betrug 3,1 % (21/683). Im Line-Assay waren 1 Serum positiv und 3 Seren grenzwertig. Die statistische Analyse erfolgte allein auf Ebene der ELISA-Ergebnisse. Sowohl in der bi- als auch in der multivariaten Analyse wurde der Einfluss der landwirtschaftlichen Tätigkeit auf das Hanta-Virus-Infektionsrisiko deutlich (Seroprävalenz Landwirte: 6,2 %, Nicht-Landwirte: 1,2 %; p < 0.001). Neben der beruflichen Exposition konnte der Parameter "wandernde flächige Hautrötung" im multivariaten Modell als interagierender Prädiktor für eine erhöhte Anti-Hantavirus-Seroprävalenz differenziert werden. Auf der Grundlage der vorgestellten Daten ist von einem für Landwirte deutlich erhöhten Infektionsrisiko durch Hantaviren auszugehen. Die Betroffenen müssen über Erkrankung und Übertragungswege sowie Schutzmaßnahmen einschließlich der Verwendung persönlicher Schutzausrüstung (Handschuhe, partikelfiltrierende Halbmaske) informiert werden.

 
Rieger, M. A.; Nübling, M.; Hofmann, F.:
Berufliche Gefährdung der Landwirte durch Hantaviren. 
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2005. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1036)
ISBN: 3-86509-253-5, 84 Seiten, Projektnummer: F 5180, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 3 MB)



Signaturen der BAuA-Bibliothek:
B424/MF/2; DM19/MF/2; D122/MF/2

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