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Rückenerkrankungen in ausgewählten Berufsgruppen des Untertageerzbergbaus

Historische Kohortenstudie

Bergmännische Tätigkeiten sind charakterisiert durch hohe physische Arbeitsbelastungen und hohe biomechanische Beanspruchungen der Lendenwirbelsäule. Die direkten Zeitbeziehungen zwischen derartigen Expositionen und dem Auftreten von Erkrankungen im unteren Rücken wurden bisher kaum beschrieben. Sie lassen sich in epidemiologischen Studien besonders gut durch Kohortenbeobachtungen in Inzidenz-Zeit-Studien analysieren. Derartige Studien sind aufwendig und teuer.

Das Ziel der Studie war, mit Hilfe einer Inzidenz-Zeit-Studie das Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden im unteren Rücken in Beziehung zur Expositionsdauer bei Hauern und unter Tage tätigen Elektrikern zu beschreiben. Es wurden retrospektiv die Krankheitsverläufe von 55 Hauern und 55 Elektrikern des Bergbauunternehmens "SDAG Wismut" erfasst. Alle in den vorliegenden Krankenakten verzeichneten Krankheitsereignisse im Zusammenhang mit einer Erkrankung im Bereich der Lendenwirbelsäule im Zeitraum nach Abschluss der Lehre bis zur Aufgabe der Tätigkeit wurden bewertet. Die Kaplan-Meier-Methode, das Inzidenzdichteverhältnis sowie das Cox-Regressions-Modell wurden für die statistische Analyse benutzt.

Hauer und Elektriker waren im Zeitraum von 1955 bis 1990 tätig. Die Expositionsdauer lag zwischen wenigen Monaten bis hin zu 26 Jahren. Eine Expositionsbewertung zeigte, dass Hauer höhere physische Arbeitsbelastungen zu leisten hatten und höheren biomechanischen Arbeitsbelastungen ausgesetzt waren.

Die Studie belegt, dass Hauer ihre Untertagetätigkeit vorzeitig nach 8,3 ±6,4 Jahren beendeten (Elektriker: 12,8 ±7,7 Jahre). 62 % der Hauer und 51 % der Elektriker mussten sich zumindest einmal wegen Rückenbeschwerden behandeln lassen. Erste LWS-Beschwerden traten bei Hauern nach 4,3 ±3,2 Jahren ein (Elektriker: 10,2 ±6,4 Expositionsjahre). Hauer wiesen eine Inzidenzdichte für dieses Ereignis von 143 Fällen/1000 Personenjahre auf (Elektriker: 53 Fälle/1000 PJ; ID-Ratio: 2,72 (CI: 1,65 bis 4,49)). Die multivariate Analyse (Cox-Regression) bestätigt, dass die berufliche Exposition der wesentliche Risikofaktor war.

Die Studie unterstreicht die enge Zeitbeziehung zwischen hohen physischen Anforderungen im Beruf und dem Risiko für das Auftreten von Erkrankungen im unteren Rücken. Das entsprechende gesundheitliche Risiko war für Hauer bereits wenige Jahre nach Beginn der Tätigkeit erhöht. Das vorzeitige Ausscheiden aus dem Beruf unterstreicht die starken Selektionseffekte in der Kohorte der Hauer durch die hohen physischen Anforderungen. Die Daten bilden eine solide Grundlage für die Bewertung von Risiko-Zeitbeziehungen für die Entwicklung von Muskel-Skelett-Erkrankungen in unterschiedlichen beruflichen Expositionen über lange Zeiträume hinweg.

 
Liebers, F.; Frauendorf, H.; Caffier, G.; Steinberg, U.; Behrendt; S.:
Rückenerkrankungen in ausgewählten Berufsgruppen des Untertageerzbergbaus. Historische Kohortenstudie
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2003. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 976)
ISBN: 3-89701-944-2, 120 Seiten, Projektnummer: F 5161, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 2 MB)



Signaturen der BAuA-Bibliothek:
B424/MD/1; DM19/MD/1; D122/MD/1

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