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Biodynamik und Wirbelsäulenbeanspruchung bei Exposition mit praxisrelevanten Ganzkörperschwingungen unter Einsatz realer Fahrersitze

An Arbeitsplätzen mit Einwirkung von Ganzkörperschwingungen haben Belastungen und Beanspruchungen eine große arbeitsmedizinische Aktualität erlangt. Vor dem Hintergrund zahlreicher Beschwerden vor allem im lumbalen Bereich der Wirbelsäule ist eine Abschätzung der Biodynamik, der Kraft- und Druckwirkungen in der Wirbelsäule in Abhängigkeit von der Exposition, Haltung und unter Beachtung der biologischen Variabilität der Sitznutzer von großer Bedeutung.

Material und Methode: 37 Versuchspersonen (je 12 in drei Gruppen mit differenter Skelettrobustizität und 1 mit einer Körpermasse von 103 kg) wurden in drei Haltungen ohne Rückenlehnennutzung auf einem handelsüblichen schwingungsisolierenden Sitz gegenüber praxisrelevanten Ganzkörperschwingungen exponiert. Meßgrößen: Anthropometrischer Status, Beschleunigungen in z- und x-Richtung am Interface zwischen Versuchsperson und Sitz, am Kopf mittels bite-bar Technik, am Akromialgelenk, über den Dornfortsätzen von C7, L3, L4, L5; weitere eingesetzte Methoden: Bewegungsanalyse, intermodale Vergleiche zur subjektiven Bewertung.

Ergebnisse und Schlußfolgerungen: Bei identischen Expositionen sind in Abhängigkeit von Haltung und Körperbautyp differente Schwingungsausbreitungen zu erwarten. Die Übertragungsmaße zu den Körpermeßpunkten ergaben trotz relativ geringer Intensitäten ein nichtlineares Schwingverhalten. Die Sitzübertragungsfaktoren zeigten deutliche Abhängigkeit von anthropometrischen Größen. Sie wurden deutlich kleiner bei Anwendung der neuen Frequenzbewertung nach ISO 2631 (1997). Im ISO/CD 7096 (1997) sollten die zulässigen Werte so geändert werden, daß für technisch unveränderte Sitze gleiche Beurteilungen erzielt werden.

Am Beispiel der Ergebnisse konnten Hinweise zu Bereichsangaben von Übertragungsfunktionen zum Kopf als Modellierungsvorlage für die Überarbeitung von ISO 5982 abgeleitet werden. Die Neufassung der nationalen Richtlinie VDI 2057 sollte folgende Aspekte im Interesse einer verbesserten Prävention berücksichtigen: Befunde epidemiologischer Untersuchungen mit Bezug auf die alte Frequenzbewertung, wirkungsadäquate Meß- und Bewertungsverfahren für unterschiedliche Expositionsabschnitte innerhalb eines Tages sowie Änderungen der Kriterien für die Beurteilung von Ergebnissen standardisierter Sitzprüfungen.

Die berechneten Summenschubkräfte dürfen selbst bei mäßiger rein vertikaler Exposition nicht vernachlässigt werden, da sie eine Größenordnung erreichten, die für ein Gesundheitsrisiko bedeutsam sein könnte. Die Streubreite der berechneten Kompressionskräfte durch die biologische Variabilität war größer als durch die untersuchten Intensitätsänderungen. Die Kraftberechnungen ergaben eine Abhängigkeit von Körpermasse, Körperbautyp und Wirbelsäulenneigung. Zur Verbesserung der Abschätzung des Gesundheitsrisikos, insbesondere unter praxisrelevanten Arbeitsplatzbedingungen, sind Modellweiterentwicklungen und experimentelle Untersuchungen erforderlich.

 
Hinz, B.; Seidel, H., Menzel, G.; Blüthner, R.; Gericke L.:
Biodynamik und Wirbelsäulenbeanspruchung bei Exposition mit praxisrelevanten Ganzkörperschwingungen unter Einsatz realer Fahrersitze. 
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 1999. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 843)
ISBN: 3-89701-354-1, 312 Seiten, Papier



Signaturen der BAuA-Bibliothek:
B 03134/F 843; 0700/264

vergriffen

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