Eröffnungsvortrag anläßlich Konferenz der European Academy of Occupational Health Psychology am 20.11. und 21.11.2003 in der BAuA
Am 20.11. und 21.11.2003 fand in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin die 5. Konferenz der European Academy of Occupational Health Psychology statt, an der 125 Delegierte aus 22 Ländern teilnahmen. Auf der Veranstaltung mit dem Titel "Flexibility, Quality of Working Life and Health" wurden in über 60 Einzelbeiträgen, 22 Postern und 5 Plenarvorträgen interdisziplinär die Fragen erörtert, auf die Dr. Kochan, Ständiger Vertreter des Präsidenten und Leiter des Fachbereichs "Strategie und Grundsatzfragen" der BAuA, in seinem einleitenden Beitrag einging.
Er stellte seine Ausführungen über die aktuellen Herausforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Zusammenhang der historischen Entwicklung der Arbeitsmedizin, die in Deutschland von Berlin ihren Ausgang nahm, wo 1925 in dem früheren Auguste-Victoria-Krankenhaus - am heutigen Standort der BAuA - durch Professor Baader die erste gewerbemedizinische Abteilung gegründet wurde. Mit der Begründung dieser Tradition wurde zugleich die Grundlage für eine neue Blickrichtung auf das Verhältnis von Arbeit und Gesundheit geschaffen. Wurden bis dahin Krankheiten oft als schicksalhaft wahrgenommen, setzte sich mit der Industrialisierung zunehmend die Erkenntnis durch, dass Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen, einschließlich des vorzeitigen Alterns, eng mit den Arbeitsbedingungen in Verbindung stehen. Dass diese Erkrankungen zu einem hohen Anteil der Prävention zugänglich sind, konnte die Arbeitsmedizin aufzeigen. Damit hat sie zugleich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen, denn Gesundheit ist unteilbar; "Occupational Health" und "Public Health" müssen in ihren wechselseitigen Zusammenhängen gesehen werden. Seit der Etablierung der Arbeitsmedizin als wissenschaftliche Disziplin muss sie ihre Erkenntnisse und ihre Positionen in einem Spannungsfeld widerstreitender Interessen formulieren und behaupten, und dies gilt heute nicht weniger als in der Vergangenheit.
Der moderne Arbeitsplatz wird von einer weltweit vernetzten Ökonomie geprägt. Arbeitsinhalte, die Organisation wie auch die Zusammensetzung der erwerbstätigen Bevölkerung selbst unterliegt einem starken Wandel. In diesem Zusammenhang ist die Zunahme von Stress am Arbeitsplatz bedeutsam. Wir alle erfahren eine wachsende Abhängigkeit von der Computertechnologie, mit der sich Hoffnungen auf eine Verbesserung des Arbeitslebens verbanden. Freilich wird sie heute oft als Quelle zunehmenden Arbeitsdrucks und von Stress erlebt. Für die Beschäftigten ist Stress oft mit einer Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens und ihrer allgemeinen Lebensqualität verbunden. Darüber hinaus gibt es zahlreichen Belege dafür, dass chronischer Stress bei der Arbeit gesundheitsschädigende Auswirkungen hat; insbesondere als wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Zu diesem Erkenntnisfortschritt haben die Arbeits- und Gesundheitswissenschaften, darunter auch die Arbeitspsychologie, beigetragen.
Das Panorama der Anforderungen am heutigen Arbeitsplatz wird durch zunehmende Flexibilität geprägt, zu deren negativen Begleiterscheinungen Arbeitsplatzunsicherheit, Zeit- und Leistungsdruck und lange Arbeitszeiten zählen. Von den übergreifenden Herausforderungen, denen wir uns heute gegenübersehen, stehen downsizing, Unternehmenszusammenschlüsse, globale Kooperation von Unternehmen, oft zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und sozioökonomischen Disparitäten sowie der Prozess der Europäischen Einigung, an prominenter Stelle auf der Tagesordnung. Unsere hauptsächliche Aufgabe besteht daher darin, Arbeitsbedingungen, die zu Stress führen, zu bewerten sowie effektive Interventionen zu implementieren, um Problemen, die mit Stress am Arbeitsplatz verbunden sind, vorzubeugen oder diese zu verringern. Insbesondere unter den heutigen Bedingungen sollten unsere Bemühungen darauf gerichtet sein, die Qualität der Arbeit zu verbessern, damit sie ihr Potential als eine der wichtigsten Quellen des sozialen und psychischen Wohlbefindens der Beschäftigten entfalten kann.
Dr. Kochan schloss seine Ansprache mit besten Wünschen an alle Konferenzteilnehmer und der Erwartung, dass in produktiven Diskussionen gute Lösungen für die Probleme des modernen Arbeitslebens gefunden werden.
Eröffnungsvortrag anläßlich Konferenz der European Academy of Occupational Health Psychology am 20.11. und 21.11.2003 in der BAuA.
2003. 3 Seiten, PDF-Datei
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