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Erarbeitung eines Mehrstufendiagnostikprogramms für Muskel-Skelett-Erkrankungen

Über Art und Umfang arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen der Bewegungsorgane besteht kein allgemeiner Konsens. Als hemmende Faktoren werden vor allem vermehrter Zeitbedarf, fehlende Objektivität, zusätzliche Kosten für Dokumentation und Weiterbildung sowie der unklare gesundheitsökonomische Nutzen des Mehraufwandes angeführt.

Aus diesem Grund wurde unter der Maßgabe maximal möglicher Praktikabilität und zeitgemäßer Methodik ein 4-stufiges Untersuchungsprogramm entwickelt, welches sich leicht durchführen, einfach dokumentieren und in einen bestehenden eigenen Untersuchungsgang integrieren lässt. Dabei beträgt der durchschnittliche Zeitbedarf für die Durchführung der Check-up-Untersuchungen (29 Items) 4:34 min, bei Integration in die ohnehin vorzunehmende körperliche Untersuchung 2:42 min. Bei Ergänzung der Check-up-Untersuchung um weitere 67 Items zur Grunduntersuchung ist mit einem zusätzlichen Zeitaufwand von durchschnittlich 12:31 min zu rechnen. Zwischen den Items der Check-up und der Grunduntersuchung bestehen objektive, untersucherunabhängige, quantitative Beziehungen, die das System für den betrieblichen Einsatz mit mehreren Untersuchern unterschiedlicher Fachrichtung geeignet machen. Entsprechend dem jeweiligen Einsatzzweck können verschiedene Formulare verwendet werden. In einer Anwendungsserie mit insgesamt 528 Probanden in vier Arbeitsmedizinischen Zentren wurde in der Routine ein ablaufoptimiertes Formular eingesetzt. Die Einarbeitung in den Untersuchungsgang der arbeitsmedizinisch relevanten Check-up und Grunduntersuchungen ist nicht aufwendig, da der Bekanntheitsgrad der einzelnen Items unter nicht orthopädisch weitergebildeten Arbeitsmedizinern hoch ist (88 % für Check-up, 71 % für Grunduntersuchung). Zusätzlich sind für jede Untersuchung Handlungsanleitungen verfügbar und eine Kurzreferenz aufgeführt, die weiter zu Lehrbuch- und Zeitschriftquellen verweist.

Die arbeitsmedizinisch erhobenen Befunde der Bewegungsorgane der Ebenen 1 und 2 sind geeignet, Beziehungen zu Arbeitsunfähigkeiten bzw. Folgezuständen nach Erkrankungen der Bewegungsorgane herzustellen. Damit wurde der Nachweis erbracht, dass das vorgestellte System für betriebliche wie auch epidemiologische Längs- und Querschnittuntersuchungen geeignet ist und somit einen Beitrag zur Erklärung der Häufung arbeitsbedingter Erkrankungen leisten kann. Anhand einer Zufallsstichprobe von Akten aus Klinik und Arbeitsmedizin konnte gezeigt werden, dass nicht die Erhebung, sondern die unvollständige Untersuchung und Dokumentation die Beurteilung von Zusammenhangsfragen bei MSE retrolektiv nicht zulässt.

Der Aufwand des Anwenders zur Einübung des Verfahrens kann durch Weiter- oder Fortbildungsmaßnahmen verringert werden. Durch die hohe Standardisierung des Verfahrens ist die Mehrstufendiagnostik nach Grifka/Peters auch als Qualitätssicherungsmaßnahme im Arbeitsschutz zu verstehen.

Der Anwender wird anhand eines Manuals der fachärztlichen und apparativen Diagnostik für die orthopädisch üblichen Untersuchungen angeleitet.

 
Grifka, J.; Peters, Th.; Bär, H.-F.; Müller, A.-M.; Tuschen, S.:
Erarbeitung eines Mehrstufendiagnostikprogramms für Muskel-Skelett-Erkrankungen. 
Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2001. 193 Seiten, Projektnummer: F 5089, Papier