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030/15 vom 4. August 2015

Europäische Unternehmensbefragung: Daten jetzt im Netz

Psychosoziale Risiken und Muskel-Skeletterkrankungen größte Herausforderungen für Betriebe

Dortmund - Alle Ergebnisse der zweiten europäischen Unternehmensbefragung, ESENER-2 (Enterprise Survey on new and emerging risks), gibt es jetzt im Internetangebot der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). An der Befragung beteiligten sich rund 50.000 Betriebe aus 36 europäischen Ländern. Damit bildet ESENER-2 sowohl europäische als auch nationale Trends im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ab. Insgesamt sehen viele europäische Unternehmen ihre Beschäftigten durch psychosoziale Risiken und körperliche Belastungen gefährdet. Die Gefährdungsbeurteilung wird als wichtigste Maßnahme gesehen, um arbeitsbedingten Erkrankungen der Psyche oder des Muskel-Skelettsystems vorzubeugen. Alle Ergebnisse gibt es in Form eines Online Dashboards unter https://osha.europa.eu/de/surveys-and-statistics-osh/esener/2014.

Psychosoziale Risiken werden in den Betrieben als größte Herausforderung wahrgenommen. Die Direktorin der EU-OSHA, Christa Sedlatschek, beschreibt die Situation so: "Insbesondere im wachsenden Dienstleistungssektor ist der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten und Schülern das größte Problem. Doch auch Zeitdruck wird von fast 60 Prozent aller Betriebe als Gefährdung wahrgenommen. An dritter Stelle nennen die Unternehmen überlange oder ungünstige Arbeitszeiten".

Dabei gibt es noch zu wenig praktische Handlungshilfen, um mit diesen Risiken umgehen zu können. 30 Prozent der befragten Betriebe im EU-28-Raum geben an, dass es Probleme gibt, psychosoziale Probleme überhaupt zu thematisieren. Dies wird häufig damit begründet, dass dieses sensible Thema nicht offen genug angesprochen wird. Durchschnittlich jedes dritte Unternehmen berichtet, dass es sich aktiv mit der psychischen Belastung auseinandersetzt. Doch auch hier lassen sich große Unterschiede in Europa feststellen. So werden externe Psychologen durchschnittlich von 16 Prozent aller befragten Betriebe beschäftigt. In Finnland und Schweden nutzen 60 Prozent der Betriebe bereits interne oder externe Psychologen im Betrieb.

Deutschland steht im europäischen Vergleich gut da. So punkten deutsche Unternehmen zum Beispiel bei der Sicherheit des Arbeitsplatzes. Auch ist die Beteiligung der Beschäftigten beispielsweise bei der Gefährdungsbeurteilung deutlich stärker als in den anderen Ländern. Ausbaufähig sind Maßnahmen, um Gefährdungen durch psychische Belastung zu verringern. Dazu gehören vertrauliche Beratungsangebote, Änderungen von langen oder unregelmäßigen Arbeitszeiten und mehr Angebote zu Konfliktlösungsverfahren.

Ein Kernpunkt von ESENER-2 war die Frage, inwieweit regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen in Betrieben durchgeführt werden. Dies ist in 76 Prozent aller Betriebe der Fall. Wie erwartet, steigt diese Rate mit der Größe der Betriebe. In Italien sind Gefährdungsbeurteilungen weit verbreitet und werden in 94 Prozent der Betriebe durchgeführt, in Luxemburg sind sie eher die Ausnahme - dort liegt die Quote bei nur 37 Prozent. Betriebe, die keine Gefährdungsbeurteilung durchführen, tun das, weil sie bislang nichts davon gehört haben oder weil es nach ihrer Einschätzung in ihrem Betrieb keine nennenswerten Gefährdungen gibt. Betriebe, die Gefährdungsbeurteilungen durchführen, tun dies in 85 Prozent aller Fälle, weil dies gesetzlich so vorgeschrieben ist. In den erst seit 2004 der EU beigetretenen Staaten und einigen Beitrittskandidatenländern werden solche Beurteilungen auch durchgeführt, um das Ansehen des Unternehmens zu verbessern.

Alle Daten der ESENER-Befragung stellt die EU-OSHA in ihrem Internetangebot zur Verfügung. Die über ein interaktives Dashboard zur Verfügung gestellten Ergebnisse informieren über Unterschiede innerhalb der sogenannten EU-28 sowie den Ländern Albanien, Island, Mazedonien, Montenegro, Norwegen, Schweiz, Serbien und der Türkei. Dabei gibt es für jede Frage Grafiken, die sowohl den EU-Durchschnitt als auch die Ergebnisse der einzelnen Staaten wiedergeben. Zudem können die Daten nach Ländern, Wirtschaftsbereich oder Betriebsgröße aufgeschlüsselt werden. Zusätzlich können Ländervergleiche abgefragt sowie nationale und EU-Säulendiagramme erstellt werden. Damit liefert das Dashboard Entscheidungsträgern und Forschern auf nationaler und europäischer Ebene vielfältige Informationen.
Link: https://osha.europa.eu/de/surveys-and-statistics-osh/esener

Hintergrund für die Redaktionen:
Die Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) besteht darin, dazu beizutragen, dass die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver werden. Die Agentur wurde 1994 von der Europäischen Union gegründet und hat ihren Sitz in Bilbao, Spanien. Sie bringt nicht nur Vertreter der Europäischen Kommission, der Regierungen der Mitgliedstaaten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, sondern auch führende Sachverständige zusammen - und dies in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus.

ESENER (Enterprise Survey on New and Emerging Risks):
An ESENER-2 beteiligen sich erstmals auch Kleinstunternehmen mit 5 bis 10 Mitarbeitern sowie landwirtschaftliche Betriebe. Zu den 31 Ländern, die bereits 2009 an der Erhebung teilgenommen hatten, kamen fünf weitere Länder hinzu - Albanien, Island, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro und Serbien. Die Ergebnisse geben Aufschluss über den Umgang mit arbeitsbedingten Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in europäischen Unternehmen.

Kontakt zum deutschen Focal Point der EU-OSHA bei Fragen zu den nationalen Ergebnissen und für Zitate:
Nathalie Henke
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Tel.: +49 231 9071-2466
E-Mail:

Forschung für Arbeit und Gesundheit

Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 700 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

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