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FBL-R: Freiburger Beschwerdeliste

Autor(en):
FAHRENBERG
Gestaltungsbezug:
Quantitative Verfahren der Verhältnisprävention
Analysetiefe:
Expertenverfahren
Jahr:
1994
Quintessenz:
Das Verfahren dient der Erfassung möglicher körperlicher Beschwerden mit und ohne somatische Grundlagen (psychosomatische Beschwerden). Die Erfassung von Beschwerden gibt mögliche Hinweise auf ungünstig gestaltete Arbeitsplätze. So konnten bisher u. a. Zusammenhänge zwischen psychosozialen Merkmalen der Arbeit und kardiovaskulären Erkrankungen, Muskel-Skeletterkrankungen, klinisch relevanten Schlafstörungen etc. nachgewiesen werden. Eine Ableitung gezielter Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ist allein auf der Basis körperlicher Beschwerden nicht möglich. Erst wenn ein Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und Arbeitsbelastungen wahrscheinlich ist, sind gezielte gesundheitsfördernde Maßnahmen ableitbar. Dies setzt den parallelen Einsatz der FBL zu bedingungsbezogenen Verfahren der Arbeitsanalyse voraus. Das Verfahren wurde revidiert zu FBL-R.

Die FBL-R erfasst aktuelle, auch situativ bedingte, und chronisch-habituelle Körperbeschwerden. Die 71 Beschwerden sind nach neun funktionellen Syndromen bzw. Organssystemen gegliedert. Der aus den Items gebildete Summenwert ist ein Index der körperlichen Beschwerdenneigung (Klagsamkeit).

Die FBL-R kann allgemein zum Assessment der individuellen Neigung zu Beschwerden (Klagsamkeit) und für Aufgaben des Screenings, der Diagnostik, Indikation und Bewährungskontrolle im Bereich von Psychotherapie, Rehabilitation und Gesundheitspsychologie sowie Arbeitspsychologie eingesetzt werden.

Neben der revidierten Version FBL-R wird für Vergleichszwecke mit früheren Untersuchungen auch die vorangegangene FBL-G zur Verfügung gestellt. Testbenutzern wird bei schriftlicher Anfrage kostenlos eine Diskette mit einem Auswertungsprogramm für FBL-R und FBL-G und mit Vergleichsdaten (u. a. von der Eichstichprobe) zur Verfügung gestellt. Außerdem existieren computerunterstützte FBL-Auswertungsmodule (Hogrefe, Göttingen).
Ziel(e):
Erfassung gesundheitlicher Beschwerden
Methode(n) der Datengewinnung:
schriftliche Befragung
Merkmalbereich(e):

z. B. Allgemeinbefinden, Herzkreislauf, Magen-Darm, Anspannung

Tätigkeitsklasse(n):
universell
Branche(n):
universell
Items:

71 Items auf 9 Skalen

Durchführungszeit(en):
etwa 5-10 Minuten
theoretische Fundierung:

Befindlichkeit und körperliche Beschwerden sind wesentliche Aspekte von psychischer und somatischer Gesundheit bzw. Therapiebedürftigkeit. Die Fragen nach dem Allgemeinbefinden und nach körperlichen Beschwerden sind folglich ein wesentlicher Bestandteil der ärztlichen, aber auch der psychologischen Diagnostik. Neben diesem individualisierenden Interview haben sich standardisierte Fragebogen bewährt (u. a. Brähler, 1986; Myrtek, 1998; Pennebaker, 1982).
Körperliche Beschwerden sind multi-referentielle Konstruktionen, die vor allem bei chronischen Krankheiten viele Bedingungen und Absichten erkennen lassen können. Es handelt sich um sog. Laienkonstrukte und Schemata, bei deren Entwicklung außer den eigenen Körperempfindungen auch populärmedizinisches Wissen und Kausaldeutungen mitspielen. Die FBL basiert auf solchen Konzepten, die bevölkerungsrepräsentativ erhoben und konstruiert wurden. Die FBL bildet kein medizinisch bzw. pathophysiologisch orientiertes Beschreibungssystem, sondern ein test-methodisch standardisiertes und normiertes Selbstbeurteilungs-Verfahren.

Die FBL bezieht sich - im Unterschied zu einigen anderen Fragebogen - auf ein relativ breites Spektrum körperlicher Beschwerden und Befindensstörungen, d. h. keine einseitige oder von sehr speziellen Konzepten (z. B. "somatoformen" Störungen) geleitete Vorauswahl. Die Auswahl der Items wurde durch ein induktives Vorgehen bei der Entwicklung der Testvorform geleitet und dann in der bevölkerungsrepräsentativen Erhebung gerechtfertigt.

Gütekriterien:
Objektivität, Reliabilität und Validität vorhanden
Art:

Einzelverfahren;
Selbstbeurteilungsverfahren "Paper & Pencil" oder Computer-Version

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jochen Fahrenberg
E-Mail: 
Psychologisches Institut Universität Freiburg
79085 Freiburg i. Br.
Zugang:

Bestellung:

Hogrefe Verlag für Psychologie, Rohnsweg 25, 37085 Göttingen
www.hogrefe.de; www.testzentrale.de

Literatur:

Fahrenberg, J. (1994). Die Freiburger Beschwerdenliste (FBL).Form FBL-G und revidierte Form FBL-R. Handanweisung. Göttingen: Hogrefe.

Fahrenberg, J. (1995). Biopsychologische Unterschiede. In M. Amelang (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie. Serie Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Band 2. Verhaltens- und Leistungsunterschiede (S. 139-193). Göttingen: Hogrefe.

Fahrenberg, J. (1966). Eine statistische Analyse funktioneller Beschwerden. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin, 12, 78-85.

Fahrenberg, J. (1975). Die Freiburger Beschwerdenliste FBL. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 4, 79-100

Baltissen, R. (1996): Die Freiburger Beschwerdeliste (FBL). Zeitschrift für differentielle und diagnostische Psychologie, 17, 62-63

Hiller, W. (1997): Die Freiburger Beschwerdeliste (FBL), Form FBL-G und revidierte Form FBL-R. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 26, 309-311

Beispiel-Items:
  • Haben Sie Kopfschmerzen?
    (fast täglich / etwa 3x Woche / etwa 2x Monat / etwa 2x Jahr / praktisch nie)
  • Haben Sie empfindliche Haut?
    (sehr stark / stark / mittel / kaum / praktisch nicht)
Kosten:
Handanweisung 39,80 EUR; Test komplett 54,00 EUR
Stichwörter:
Fehlzeiten, Gesundheitsförderung, psychische Belastungen, psychosomatische Beschwerden, Schlafstörungen