Navigation und Service

Springe direkt zu:

Suche

Suchbegriff eingeben

Risikoextrapolation vom Versuchstier auf den Menschen bei Kanzerogenen


Die Fachliteratur wurde auf epidemiologische und tierexperimentelle Daten hin gesichtet, die Aussagen über die quantitative Relation zwischen einem Exzess-Risiko in Höhe von rund 10 % und dem entsprechenden Langzeit-Mittelwert der Kanzerogenexposition unter Arbeitsplatzbedingungen (ED10) zulassen. Das Exzess-Risiko wurde definiert als die Wahrscheinlichkeit für ein exponiertes Individuum, im Laufe des Lebens an einer bestimmten Krebsform zu erkranken bzw. daran zu versterben, abzüglich des entsprechenden Risikos in der Allgemeinbevölkerung bzw. in der Kontrollgruppe eines Kanzerogenitätsversuchs. Die ED10 wurde in Form der mittleren Stoffkonzentration in der Expositionsatmosphäre ausgedrückt, indem auf äquivalente Anteile der Lebenserwartung der Spezies gemittelt wurde (äquivalente Exposition). Daten, die den Kriterien für quantitative Auswertungen genügten, wurden für elf Stoffe bzw. Stoffgruppen gefunden: Benzol, 1,3-Butadien, Cadmium und seine Verbindungen, Chrom(VI)-Verbindungen, Nickel und seine Verbindungen, Vinylchlorid, Asbest, Kohlenteeraerosol, Dieselmotor-Emissionen, kristallines Siliziumdioxid, Radon. Für fünf Stoffe konnten wegen mangelnder Information allenfalls qualitative bzw. semiquantitative Aussagen getroffen werden: Benzidin, Bischlormethylether, Beryllium und seine Verbindungen, 1,2-Dibromethan, Tabakrauch/Zigarettenrauch.

Die konkretesten Zahlenwerte konnten meist anhand der epidemiologischen Daten und anhand der Daten aus Inhalationsversuchen mit Ratten abgeleitet werden. Es wurde deutlich, dass die ED10-Werte dabei bei den Ratten in den meisten Fällen höher lagen als die aus den epidemiologischen Studien abgeleiteten ED10-Werte, d.h. dass dort von einer höheren Empfindlichkeit des Menschen zu sprechen ist. Eine Ausnahme scheinen Cadmium und seine Verbindungen darzustellen. Punktschätzungen für ED10-Werte aus Inhalationsversuchen mit Mäusen scheinen schwieriger ableitbar. Für keinen der Stoffe ergab sich aber eine deutlich höhere Risikoschätzung (d.h. eine niedrigere ED10-Schätzung) für die Maus als gleichzeitig für Mensch und Ratte. Mit keinem der Stoffe wurden nach Inhalation bei Hamstern expositionsbedingte Lungentumoren festgestellt, auch dann, wenn sich die Stoffe bei Menschen, Ratten und/oder Mäusen eindeutig als tumorerzeugend in der Lunge gezeigt hatten. Bei keinem der Stoffe wurde bei Hamstern im Vergleich mit den anderen Spezies die höchste Empfindlichkeit festgestellt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Speziesextrapolation anhand der äquivalenten Exposition ohne besondere Berücksichtigung toxikokinetischer und toxikodynamischer Speziesunterschiede in der Regel nicht zu einer Überschätzung des Risikos des Menschen führt, auch dann, wenn sich - zum Beispiel aufgrund mechanistischer Daten - eine geringere Empfindlichkeit des Menschen vermuten lässt.

 
M. Roller, Z. Akkan, M. Hassauer, F. Kalberlah:
Risikoextrapolation vom Versuchstier auf den Menschen bei Kanzerogenen. 
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2006. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1078)
ISBN: 3-86509-564-X, 430 Seiten, Projektnummer: F 1876, Papier
Link zur Zusammenfassung (PDF-Datei, 84 KB)



Signaturen der BAuA-Bibliothek:
B424/EC100/44, DM19/EC100/44, D122/EC100/44

vergriffen

nach oben

Zusatzinformationen

Kontakt 

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Informationszentrum
Postfach  17 02 02
44061 Dortmund


Tel. 0231 9071-2071
Fax 0231 9071-2070