Teil 3 - Präzisionsstufen
Norm DIN EN ISO 10075
Die Verfahren für die Messung und Erfassung der psychischen Arbeitsbelastung werden in drei Präzisionsstufen eingeteilt:
Stufe 3 - Verfahren für Orientierungszwecke
Sie dienen der Grobeinschätzung. Dem Anwender wird auf einem niedrigen Präzisionsniveau ermöglicht, Informationen über die psychische Arbeitsbelastung zu erhalten. Die Ergebnisse liefern eine allgemeine Einschätzung auf deren Grundlage Management-Entscheidungen zu Arbeitsaufgaben, -methoden, -bedingungen erfolgen können. Verfahren für Orientierungszwecke (33)
- sind mit geringem Aufwand durchführbar und auswertbar - eine aufwändige Schulung zum Verfahren ist nicht erforderlich (deshalb ist es z. B. von betrieblichen oder überbetrieblichen Sicherheitsfachkräften einsetzbar)
- sind geeignet für allgemeine Gefährdungsbeurteilungen
- sind nicht geeignet für Risikoabschätzungen in sicherheitskritischen Bereichen.
Stufe 2 - Verfahren für Übersichtszwecke (Screening)
Die Messung der psychischen Arbeitsbelastung erfolgt auf einem mittleren Präzisionsniveau und wird am häufigsten für Zwecke der Gewinnung einer Gesamtübersicht verwendet. Screening-Verfahren
- besitzen zwar eine höhere Differenziertheit als orientierende Verfahren, erfordern aber auch einen höheren Aufwand
- setzen bei Anwendung durch Nicht-Experten eine gründliche Schulung zum Verfahren voraus
- ermöglichen einen SOLL-IST-Vergleich
- dienen der Ableitung differenzierte Maßnahmen der Arbeitsgestaltung
- werden dort eingesetzt, wo Probleme der psychischen Belastung vermutet werden oder bereits in groben Umrissen festgestellt wurden
- Nach (1c) ist für die betriebliche Praxis zu erwarten, dass in Zukunft vor allem Verfahren auf dieser Stufe zur Anwendung kommen werden.
Stufe 1 - Verfahren für Zwecke der genauen Messung
Diese Verfahren
- besitzen eine große Analysefeinheit. Durch sie erfolgen exakte Messungen, die die Grundlage für Entscheidungen und Problemlösungen bilden.
- sollen den oben genannten Gütekriterien in hohem Maße genügen.
- erfordern, dass ihre Anwendung sowie die Interpretation der Analyseergebnisse durch Fachleute (z. B. Arbeitspsychologen, Arbeitswissenschaftler, Arbeitsmediziner) erfolgt.
- sollten aus Gründen des erheblichen Kosten- und Zeitaufwandes (Expertenverfahren) dem gezielten Einsatz in Problembereichen vorbehalten sein.
- werden oft in Kombination verschiedener methodischer Zugänge eingesetzt.
Weitere Informationen zu verschiedenen Verfahren erhalten Sie in der Toolbox: "Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen" der BAuA
