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Sicherheits- und Gesundheitsschutzdefizite im Speditionsgewerbe

Grundsätzlich gelten Sicherheits-, Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen, -gesetze und -richtlinien für alle Unternehmen im Speditions- und Transportgewerbe, auch für den einzelnen Fahrer, der sein eigenes Einmann-Unternehmen betreibt. Eine Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen im überwiegend klein- und kleinst­betrieblich organisierten Transportgewerbe ist jedoch ausgesprochen schwierig, weil die Klein- und Kleinstunternehmen im Gegensatz zu den Großunternehmen, über keine innerbetriebliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzorganisation verfügen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kleinunternehmen zwar vertraglich an die Grossunternehmen gebunden sind, mit ganz konkreten Qualitätsnormen, die bei Nichteinhaltung mittels Bußgeld sanktioniert werden. Die Einhaltung der Sicherheits- und Gesundheitsschutznormen aber werden den Subunternehmern z.B. durch enge Routenplanungen und Abladetermine, nur bedingt möglich. 

In der Konsequenz vernachlässigen die Klein- und Kleinstunternehmen die Sicherheits- und Gesundheitsschutzvorschriften, bei gleichzeitiger Akzeptanz prekärer Arbeitsbedingungen für die Fahrer, um ihre Ergebnisse in einem wirtschaftlichen Rahmen zu halten. So sieht sich z.B. die Berufgenossenschaft für Fahrzeughaltung kaum in der Lage, ihr Klientel wirklich zu erreichen, weil es sich ständig "auf Achse" befindet.

Die großen Logistikunternehmen, die sich im globalen virtuellen Netzwerkwettbewerb bewegen, geben sich eigene Verhaltensregeln, sog. Code of Conduct, in denen sie sich verpflichten, die einschlägigen Gesetze, Regeln und Verordnungen zum Schutz der Arbeitnehmer, die in den einzelnen Staaten gelten, zu beachten.

Die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkriterien sind i.d.R. in den Unternehmens-philosophien in Form von Absichtserklärungen formuliert. Die Überwachung erfolgt jedoch immer über die jeweilig zuständigen nationalen Behörden der im virtuellen Netzwerk beteiligten Unternehmen. Da die virtuellen globalen Netzwerke sehr kurz existieren und sich nach Beendigung eines Kundenwunsches auflösen, ist eine wirksame Kontrolle durch einzelstaatliche Überwachungseinrichtungen sehr erschwert.

Sicherheits- und Gesundheitsschutz ist im Speditions- und Transportbereich eine wichtige human-ressourcenschonende Größe, aber nur außerordentlich schwer zu realisieren.

 
Lange, J.; Groth, J.:
Sicherheits- und Gesundheitsschutzdefizite im Speditionsgewerbe. 
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2005. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1056)
ISBN: 3-86509-390-6, 116 Seiten, Projektnummer: F 1980, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 636 KB)

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